26. August bis 30. August 2007

 

 

 

Eine Bahnfahrt gehört wahrlich nicht zu den unbequemen Arten des Reisens. Besonders, wenn der Komfort der Reisezugwagen so angepriesen wird, wie der auf der Homepage der KTMB, der malaysischen Eisenbahn.

 

Unserem Trip nach Kuala Lumpur ging eine Visite in Singapur voraus, sodass eine Zugfahrt durch Dschungel und vorbei an Palmen-Hainen sehr verlockte. Da das Bahnfahren in Malaysia eine sehr preiswerte Angelegenheit ist, waren die Tickets 1. Klasse bereits am heimigen PC geordert und die Sitzplätze online reserviert worden.

 

Auf die bevorstehende 8stündige Fahrt freuten wir uns sehr. War ja auch alles bestens abgestimmt. Frühstück im Hotel, Mittag im Bordrestaurant und gegen 16 Uhr in Kuala Lumpur. Mit entsprechend hohen Erwartungen setzte uns ein Taxi gegen 8 Uhr vor dem Bahnhof von Singapur ab, wo uns die pure Ungläubigkeit über den Zustand des Gebäudes übermannte, dessen Erscheinungsbild so gar nicht ins moderne Singapur passen will.

 

Passend dazu wirkte der abgewrackte Waggon, den wir nach einer ersten Passkontrolle vor Betreten des Bahnsteigs aufsuchten und in dem wir auf zerschlissenen Sitzen Platz nehmen mussten. Die einladenden Bilder auf der Homepage der KTMB haben zumindest in diesem Zug nicht wirklich viel mit der Realität gemeinsam.

 

Besonders überrascht waren wir über die Toiletten des Zuges, die nach Männlein und Weiblein getrennt und beide mit Hocktoiletten statt eines Sitzbeckens ausgestattet waren.

 

Etwa 40 Minuten nach der Abfahrt erreichten wir den Grenzbahnhof von Johor Bahru, wo alle Fahrgäste den Zug verlassen mussten, um sich in einem Abfertigungsgebäude erneut einer Passkontrolle unterziehen zu lassen. Vermutlich wurde zwischenzeitlich der Zug selbst gründlich untersucht, denn nach erfolgter Passkontrolle bedurfte es noch etwas Geduld, bis das Einsteigen wieder erlaubt war.

 

Nun, als sich der Zug endlich wieder in Bewegung setzte und wir die Zeit für einen Kaffee als gekommen sahen, statteten wir dem Bordrestaurant einen Besuch ab. Die karge Ausstattung und die wenigen Auslagen ließen Schlimmes befürchten und bewahrheiteten sich, als die vorausschauende Frage nach Lunch pronto verneint wurde. 8 Stunden gefangen in einem Zug, nichts zu essen dabei und das Bordrestaurant verteilt nur Kaffee, Tee und Schokoriegel. Bingo. Deprimiert schlürften wir Kaffee, während sich der Zug mit atemberaubenden 60-70 km/h dem Ziel näherte.

 

Ausgehungert erreichten wir den Hauptbahnhof von Kuala Lumpur, wo wir uns zunächst am Geldautomaten mit einigen Ringgit eindeckten. In der Haupthalle des Bahnhofs folgten wir der Empfehlung unseres Zugbegleiters und begaben uns zu einem Taxi-Counter, wo wir unser Fahrtziel angaben und für den vorab beglichenen Fahrpreis eine Quittung erhielten, die wir dem Taxifahrer überreichen mussten. Eine sinnvolle Einrichtung die verhindert, dass der Tourist nicht schon in den ersten Minuten nach seiner Ankunft geneppt wird.

 

Für bescheidene 11 Ringit (2,15 Euro) erreichten wir das zentral gelegene Melia Hotel der spanischen Sol Melia Hotels and Resorts-Gruppe, welches sich direkt gegenüber dem Times Square befindet. Mit der nur wenige Meter entfernten Station „Imbi“ der KL Monorail war uns dieses Hotel idealer Ausgangspunkt für Ausflüge in die Stadt.

 

Unangefochtenes Wahrzeichen der Stadt sind zweifelsohne die Zwillingstürme der Mineralölgesellschaft Petronas, die mit einer Höhe von 452 m von 1996 bis zur Fertigstellung des Taipeh Financial Center im Jahre 2003 als höchstes Gebäude der Welt galten. Für Mario war es ein lang gehegter Wunsch, den Twin Towers einen Besuch abzustatten und so erklärt es sich von selbst, dass uns unser erster Ausflug noch am Abend dorthin führte.

 

Unsere Erwartungen wurden nicht ansatzweise enttäuscht. Während unserer Reisen standen wir schon vor so manch hohem Wolkenkratzer. Aber keiner beeindruckte wie dieser. Gerade am Abend, wenn die Türme in gleißend hellem Licht erstrahlen, sind sie schlicht überwältigend.

 

Im nichts nach steht das angegliederte Luxus-Shoppingcenter Suria KLCC, das auf 135.000 m² Verkaufsfläche, verteilt auf 6 Etagen, mit zahlreichen Luxus-Boutiquen aufwartet und auch heute, an einem Sonntag-Abend, reichlich besucht war.

 

Für unser Abendessen wählten wir ein Outback-Steakhouse am Bukit Bintang Plaza, unweit unseres Hotels.

Mit unserer Wahl landeten wir einen Volltreffer. Das Essen dort war so lecker, dass wir dieses Restaurant für die Tage in Kuala Lumpur zu unserem Favoriten kürten.

 

2. Tag

 

Heute die Petronas Twin Towers für eine intensivere Besichtigung anzusteuern machte keinen Sinn, denn es ist Montag und Montags bleiben die Türme für den Publikumsverkehr geschlossen. Somit stellte sich uns die Frage, von wo man wohl den besten Blick auf die Towers hat.

 

Mit seinen 421 m bietet der Menara KL Tower, der Fernsehturm von Kuala Lumpur die besten Voraussetzungen. Berücksichtigt man, dass der erst 1996 eröffnete Fernsehturm auf einem 90 m hohen Hügel errichtet wurde, wird schnell klar, dass der Turm die Twin Towers in der Höhe überragt. Das führt dazu, dass man selbst von der in 276 m Höhe gelegenen Aussichtsplattform quasi auf die Zwillingstürme herabsehen kann. Aber bis zu dieser Feststellung verging ein halber Vormittag, denn es wollte uns einfach nicht gelingen, den Zugang zum KL Tower zu finden. Aber dazu gleich.

 

Zunächst einmal fuhren wir mit der Monorail-Bahn zur Station Bukit Nanas, um uns in dem an der Jalan Ampang Street gelegenen Tourismus-Center mit Informations- und Kartenmaterial einzudecken. Nun, wo wir schon mal auf der Jalan Ampang sind, folgten wir dieser in Blickrichtung KL-Tower, nicht ahnend, dass uns diese Straße um den halben Park herumführen wird, ohne uns Zugang zum Fernsehturm zu ermöglichen. Fast verrückt werdend erreichten wir irgendwann die Jalan Bukit Nanas Street, die sich zwar dem KL Tower nähert, jedoch nicht zu ihm hinführt. Ein Passant sprach uns an und fragte, ob wir zum Fernsehturm wollten. Als wir die Frage bejahten, wies er uns einen Weg durch ein kleines Tor, der uns direkt zum Turm führen sollte. Da der Weg nicht ausgeschildert war, hätten wir ihn ohne die Hilfe wohl nicht gefunden. Blöd. 

 

Der Weg führte hinauf auf den Hügel und war entsprechend steil. Anfangs führte er durch einen kleinen Dschungel, vor dem eine rote Hinweistafel vor allerlei Giftzwerge warnte. Dann noch diese erdrückende Schwüle und 33 Grad im Schatten. Reden wir nicht mehr drüber.

 

Erfreut über die klimatisierte Kühle im Inneren des Turms kauften wir uns für 20 Ringgit pro Person (3,90 Euro) Tickets zum Aussichtsgeschoss und ließen uns von der Aussicht entschädigen.

 

Gegen 15 Uhr bestiegen wir eines der vor dem Eingang wartenden Taxis und ließen uns zur Jamek Mosque chauffieren. Hier, wo die Flüsse Gombak und Klang zusammenfließen, steht die älteste Moschee der Stadt.

Vor der Besichtigung der ein wenig versteckt in einem Palmengarten angelegten Moschee hieß es zunächst verhüllen. Bettina bekam am Eingang Umhang und Kopftuch gestellt, gegen ein obligatorisches Bakschisch, versteht sich. Marios Bekleidung wurde, trotz kurzer Hosen und Sandalen, nicht moniert. 

 

Schön anzuschauen sind die zwiebelförmigen Kuppeln und die Säulengänge, auf deren glänzenden Marmorfußboden ausschließlich männliche Gläubige Ruhe und Abkühlung, vielleicht auch Zeit für das ein oder andere Gebet finden.     

 

Weiter ging es zum Sultan Abdul Samad Building, das heute den Obersten Gerichtshof beherbergt. Das Bauwerk befindet sich direkt gegenüber dem geschichtsträchtigen Platz Dataran Merdeka, dem Platz der Unabhängigkeit und zählt mit seinem 130 m hohen Uhrenturm zu den meistfotografierten Gebäuden Kuala Lumpurs.

 

Rund um das Sultan Abdul Samad Building waren zahlreiche Arbeiten zugange. Auf dem Platz der Unabhängigkeit wurden Tribünen gebaut, an der davor liegenden Hauptstraße Podeste für Kameras aufgestellt und das Gebäude selbst war mit zahllosen malaysischen Flaggen geschmückt.

 

Langsam dämmert es uns. Hätte man sich bei der Reiseplanung doch ein wenig genauer mit seinem Urlaubsland beschäftigt. Wir befinden uns, wie schon gesagt, am Platz der Unabhängigkeit. Hier wurde am 31. August 1957 die britische Flagge eingeholt und die Flagge Malaysias gehisst, an der Stelle, wo heute der mit 100 Metern wohl höchste Fahnenmast der Welt steht. Am 31. August 1957 also wurde Malaysia unabhängig.

In nur 4 Tagen feiert Malaysia den 50. Jahrestag seiner Unabhängigkeit. In nur 4 Tagen geht hier die große Party ab. In nur 2 Tagen endet unser Besuch in Malaysia. Was soll man dazu sagen?

 

Überraschend ruhig, anders als es der Name erahnen lässt, geht es im Central Market im Chinesischen Viertel zu, der sich in einem alten palastartigen Bahnhofsgebäude etabliert hat. Der Markt gilt als Einkaufsparadies für Kunsthandwerk, Antiquitäten und Mode. In den Jahren 1987, 1988 und 1992 wurde der Markt mit dem begehrten Tourismuspreis "Malaysia Golden Award" für besondere Leistungen in der Förderung des Tourismus geehrt.

 

Ein wenig indisch wird es im Sri Maha Mariamman Tempel, der sich nur ein paar Gehminuten vom Central Market entfernt befindet. Der Tempel ist Ausgangspunkt eines religiösen Rituals, an dem zum Thaipusamfest (das ist ein zumeist von der tamilischen Bevölkerung am Vollmond des tamilischen Monats Thai, also im Januar/Februar, gefeiertes Hindu-Fest) ein  Pilgerzug zu den Batu-Caves (einem Pilgerzentrum für Hindus vor den Toren der Stadt) führt.

 

Richtig turbulent wird es in der Petaling Street, dem Herzen von Chinatown. Die überdachte Straße ist eine pulsierende Shoppingmeile bis spät in die Nacht. Hier gibt es so ziemlich alles, von frischem Obst und Marken-T-Shirts, Lederwaren, Musik- CD´s  bis hin zu den sicher weniger legalen Kopien der neuesten Filme. Nicht zu vergessen der enge Kontakt zu den vielen durchgeschwitzten Körpern in den überfüllten Gassen.

 

Nach den Erlebnissen des Tages und den vielen gelaufenen Kilometern waren wir des Geschubses schnell überdrüssig und flüchteten in ein gegenüberliegendes Kaufhaus auf der Suche nach einem Restaurant. Doch statt im Restaurant landeten wir auf der Massagebank, wo wir uns in der nächsten Stunde die Strapazen des Tages ausmassieren ließen. Weitere 40 Minuten nahm eine Fußmassage in Anspruch, die sich allerdings nur Mario gönnte, denn schon der Gedanke daran, dass jemand in die Nähe von Bettinas Füßen kommt, lässt sie auflachen.

 

Die Massage der gebeutelten und wahrscheinlich auch qualmenden Füße war recht schmerzhaft, wenn auch zugleich verdammt wohltuend. Aber die Krönung war, dass Bettina sich nur vom Zusehen derart vor Lachen krümmte, dass sie kaum in der Lage war, die Tasse Tee zu halten, die ihr gereicht wurde. So eine Situation muss man sich erst einmal vorstellen können, Mario liegt schmerzgepeinigt vor einem gutgelaunten Masseur und Bettina kann vor Lachen die Tränen nicht halten. Super.

 

Nach der Massage hatte sich die Sache mit der Restaurantsuche im Kaufhaus auch erledigt, es war bereits nach 22 Uhr und die noch verbliebenen Personen im Kaufhaus waren die Händler, die ihre Geschäfte schlossen. So fuhren wir mit dem Taxi zurück zum Hotel, wo wir uns unserer Einkäufe entledigten und zu unserem Steakhaus um die Ecke spazierten.

 

3. Tag

 

Die beiden Türme der Petronas Twin Towers sind in 172 m Höhe durch eine 58 m lange Skybridge verbunden, die einen Übergang in der 41. und 42. Etage ermöglicht. Im Rahmen einer kostenlosen Führung ist es einer limitierten Anzahl von Touristen möglich, die Aussicht von der Skybridge zu genießen. Die Eintrittskarten dafür sind aber weder im Vorverkauf noch über Reisebüros erhältlich. Es gibt nur eine Möglichkeit, an eine der begehrten Eintrittskarten zu gelangen ist. Man muss sich morgens ab 8:30 Uhr in die endlose Reihe der Touristen einreihen und hoffen, dass man eine der wenigen Karten für die Führungen des Tages ergattert. First come, first serve.

 

Und früh Aufstehen zählt nun wirklich nicht zu unseren Stärken. Egal, 7:30 Uhr raus aus den Federn, Frühstück, Taxi zu den Türmen, Orientierung gesucht, das Ende der Schlange entdeckt und geduldig eingereiht. Keine 10 Minuten später wurde am Ende der Schlange eine Tafel aufgestellt, laut deren Aussage die Tickets für heute vergriffen seien. Vorsichtig mutmaßten wir, dass wir also zu denen gehören werden, die noch eine Eintrittskarte abbekommen. An einem Monitor ist die Zeit abzulesen, für welchen Tagesabschnitt gerade Tickets ausgegeben werden. In einem Reisebericht haben wir gelesen, dass die letzte Führung um 17 Uhr stattfindet, wobei alle 15 Minuten eine Gruppe startet. Nach 35 Minuten Wartezeit war die Zeit auf den Monitoren bereits auf 16 Uhr angestiegen und  noch so viele Menschen standen vor uns. Weitere 5 Minuten später zeigte der Monitor schon die 17 Uhr an und die Messen schienen gelesen. Nach insgesamt 45 Minuten Anstehen erhielten wir 2 Karten für die Führung um 17:15 Uhr. Es sollte die vorletzte Führung des Tages sein, denn all jene, die sich hinter uns eingereiht hatten und bereits vor Aufstellen der Tafel in der Reihe standen, fanden ebenso Berücksichtigung.

 

Bis 17:15 Uhr blieb uns reichlich Zeit, die wir mit einem Rundgang um das Areal der Twin Towers begannen. Während Mario Zeit für seine Fotos aufwendete, um die Twin Towers aufs Bild zu bekommen, muss man sich schon ein ganzes Stück weit entfernen, vertreib sich Bettina die Zeit mit den Wasserspielen des Springbrunnens. Als Mario nach geraumer Zeit zurückkehrte, traute er seinen Augen nicht. Bettina saß auf einer kleinen Mauer und der Reihe nach gesellten sich junge Inder, ganze Familien und sogar in Dischadsch´s gekleidete Araber (bei denen Frauen ja bekannter Maßen eine untergeordnete Rolle zu spielen haben) zu ihr, um sich gemeinsam mit ihr für ein Foto ablichten zu lassen. Bettina hatte sichtlich Spaß dabei.

 

Als nächstes bot sich ein Besuch des KLCC Aquaria an. Die vier Buchstaben stehen für das Kongresszentrum Kuala Lumpur Convention Center, in dessen Gebäude das Aquarium beheimatet ist und welches von den Twin Towers in wenigen Gehminuten durch den KLCC-Park zu erreichen ist.

 

Highlight des Aquariums ist ein Meeres-Becken, durch das ein 90 m langer Acryltunnel verläuft, von dem sich aus Sandtigerhai, Rochen und viele andere Meeresbewohner beobachten lassen. Praktischer Weise führt der Ausgang des Aquariums direkt in den Gastronomie-Bereich des Convention Centers, wo diverse Stände für ein reichhaltiges Angebot sorgen und zur besten Mittagessenszeit reger Betrieb herrschte.

 

Gesättigt und träge fiel das Meinungsbarometer gen Nullpunkt. Mit vereinter Kraft enterten wir die nächste Station der Monorail-Bahn. Zurück im Hotel schmückten wir die Klinke unserer Zimmertür mit dem roten „Please don´t disturb“-Schild und verordneten uns einen Mittagsschlaf.

 

Pünktlich 17 Uhr befanden wir in der Haupthalle der Twin Towers. Die Wartezeit bis zum Start der Tour wurde uns mit einer 3D-Animation versüßt. Mit einer 15minütigen Verspätung ging es dann endlich hinauf.

 

Und da standen wir nun. Unser Auftritt war zugegeben nicht ganz so spektakulär wie der von Jean Connery und Catherine-Zeta Jones, die sich in „Verlockende Falle“ als Meisterdiebe auf ihrer Flucht an einer Lichterkette unterhalb der Skybridge entlang hangelten. Unsere Begegnung war auch nur von kurzer Dauer, denn wir wurden angehalten, unsere Besichtigung auf 10 Minuten zu beschränken. Dennoch ein lohnenswerter Ausflug, wenn auch mehr symbolisch.

 

Den Abend verbrachten wir im Shopping-Center Times Square, welches sich gegenüber unserem Hotel befand. Für einen ersten Überblick fuhren wir mit einem Panoramalift in die oberste Etage. Wir waren noch nicht in der gewählten Etage angekommen, als sich ein lautes Getöse der Kabine näherte. Durch die Scheiben der Kabine versuchten wir den Ursprung des Lärms zu erfahren, als unmittelbar vor unseren Augen mit hohem Tempo die Wagengruppe einer Achterbahn vorbeizog. Natürlich schauten wir uns ungläubig an. Hätten wir nicht gerade dasselbe Erlebnis, es bestünde ernsthaft Grund zur Sorge.

 

Was uns da in blankes Erstaunen versetzte, war der größte Indoor-Vergnügungspark Malaysias. Auf einer Fläche von unglaublichen 133.000 m² erstreckt er sich über mehrere Etagen und zählt 14 Fahrgeschäfte, darunter besagte Achterbahn, zu seinen Attraktionen. 

  

Shopping macht bekannter Maßen hungrig und so kehrten wir in ein Thailändisches Restaurant ein, wo wir riesige, sehr leckere Garnelen serviert bekamen. Und wann immer sich kleine kreisförmige Wellen in unserem Bierglas bildeten, wussten wir, dass die Achterbahn wieder unterwegs ist.

 

4. Tag

 

Nach dem Frühstück schwangen wir uns in ein Taxi und ließen uns zum Pudu Raya Bus Terminal chauffieren, wo wir in einen Bus der Linie 11 stiegen. Nach einer 45minütigen Busfahrt, von denen getrost 20 Minuten den verstopften Straßen zu verdanken waren, erreichten wir die etwa 15 km vor der malaysischen Hauptstadt liegenden Batu Caves.

 

Die 3 mächtigen Kalksteinhöhlen der Batu Caves, deren Zugang von der 42,7 m hohen Statue Murugans bewacht wird, sind Pilgerzentrum für Hindus in Malaysia und werden alljährlich anlässlich des Thaipusamfestes von einem Pilgerzug angesteuert. Aber das hatten wir ja schon.

Neu und bisher unerwähnt ist, dass bis zu 800.000 Menschen die drei Tage dauernde Feier besuchen und nicht wenige ihre Haut, Wangen oder Zunge mit Haken oder Spieße durchbohrt haben. Angeblich sind sie in Trance und verspüren so keinen Schmerz. 

 

Die größte der Kalksteinhöhlen ist mit einer beachtlichen Höhe von 100 m die Cathedral Caves, die Haupthöhle der Batu Caves, vor deren Besichtigung schweißtreibende 272 Stufen zu erklimmen sind. Versüßt wird der Aufstieg von zahlreichen Makaken, die sich gern von den Besuchern mit Äpfeln, Bananen oder Erdnüssen füttern lassen, sich aber auch schamlos gern mal selbst bedienen.

 

Oben angelangt, bekam Bettina von einem freundlichen Hindu-Priester erst einmal einen Bindi verpasst. Ein Bindi ist der mitten auf die Stirn aufgesetzte, traditionell rote Punkt, Zeichen verheirateter Frauen, der die Frau und ihren Ehemann schützen soll.

 

In der Haupthöhle befindet sich der Sir Sri Subramania Swamy-Tempel, außerdem erzählen Hindu-Schreine  die Geschichte vom Sieg des Gottes Murugan über den Dämonen Soorapadam.

 

Ein wenig tiefer liegt Dark Caves, die Dunkle Höhle, ein über zwei Kilometer ausgedehntes, relativ unberührtes Höhlensystem. Um die Fauna, darunter einzigartige Arten wie Gliederspinnen, zu bewahren, ist dieses nur mit Führungen zu besuchen.

 

Am späten Nachmittag ging es zurück ins Hotel, wo wir Vorbereitungen für unsere bevorstehende Abreise zu treffen hatten. Am Abend stand noch ein letzter Besuch im  Outback Steakhouse auf dem Programm, wo wer weiß wie viele Kalorien vertilgt wurden.

 

5. Tag

 

Flüge zwischen Kuala Lumpur und Singapur sind trotz der kurzen Distanz von gerade 350 km alles andere als eine preiswerte Angelegenheit. Unschlagbar günstig dagegen ist der Flug mit Air Asia von Kuala Lumpur nach Johor Bahru, der Hauptstadt des malaysischen Bundesstaates Johor, direkt an Singapur angrenzend.

 

Für 33 Euro buchten wir am heimischen PC einen Flug für 2 Personen, wobei der Preis neben den Steuern und Gebühren zusätzlich noch einen Aufpreis für den bevorzugten Einstieg in das Flugzeug enthielt.

 

Es war alles perfekt geplant. Mit dem Expresszug sollte es binnen 30 Minuten vom Bahnhof zum Flughafen gehen, der Flug ging 8:15 Uhr und in Johor Bahru, so stand es auf der offiziellen Homepage des Flughafen geschrieben, fährt ein Shuttle-Bus direkt nach Singapur hinein und hält vor einigen der gängigsten Hotels. 

 

Ganz in Ruhe, reichlich Zeit in Reserve habend, stand um 5:20 Uhr der Room-Service mit einem Tablett voll leckerem Frühstück vor der Tür. Schlag 6 Uhr verließen wir das Hotel und bestiegen ein wartendes Taxi, welches uns zur Central Station des gerade erwachenden Kuala Lumpur fuhr. Während einer Unterhaltung mit dem Fahrer des Taxis erfuhren wir, dass alle Taxis der Stadt ab 7 Uhr in einen Warnstreik eintreten werden. Achherje, das hätte schief gehen können. Da haben wir wohl noch einmal Glück gehabt.

 

In der Bahnhofshalle entdeckten wir einen Check-In für Fluggäste der Malaysia Airlines. Die Aussicht, die Koffer bereits hier am Bahnhof einchecken und kofferlos bequem mit dem Expresszug zum Flughafen fahren zu können, war sehr behaglich. Vor den Schaltern wandten wir uns an eine freundliche Hostess der Airline, um zu prüfen, ob wir als Fluggäste einer Air Asia diesen Service auch in Anspruch nehmen können. Die verneinende Antwort war nicht wirklich tragisch. Vielmehr setzte uns die Begründung in blankes Entsetzen. Air Asia fliegt nicht vom Internationalen Flughafen, sondern von dem weit außerhalb liegenden LCC Terminal, einem erst 2006 erbauten, noch einmal 20 km vom Internationalen Flughafen entfernt liegenden Airport für Low Cost Airlines. Easy Jet lässt grüßen.

 

Unser doch so perfektes Timing war plötzlich nur noch Makulatur.

 

Air Asia betreibt einen Busshuttle, der den Bahnhof mit dem LCC Terminal verbindet. Die Fahrzeit beträgt aber über eine Stunde. Bis zum Abflug blieben uns aber gerade noch 90 Minuten. 30 Minuten davon waren ursprünglich für die Fahrt mit dem Expresszug vorgesehen, dessen Abfahrtzeiten wir genau kannten. Somit wären wir 60 Minuten vor Abflug am Internationalen Flughafen. Nun aber 60 Minuten für eine Fahrt mit dem Bus einzuplanen, der auch nicht gerade sofort nach unserem Einstieg losdüsen wird . . .

Berücksichtigt man zudem, dass die Schalter vielleicht 30 Minuten vor dem Start schließen. . . Wie war das? Wollen die Taxifahrer nicht ab 7 Uhr streiken?

 

Fluchtartig verließen wir samt Gepäck die Bahnhofshalle, ließen die Shuttlebusse der Air Asia links liegen und hielten uns an den erstbesten Kerl, der uns sein Taxi anbot. Die geforderten 100 Ringit, etwas über 20 Euro, akzeptierten wir anstandslos.

Der Junge war gut. Als wir ihm die Abflugzeit nannten, quälte er seinen Proton auf Hochtouren und kitzelte auch noch den letzten PS aus dem Motor. Er missachtete sämtliche Verkehrsregeln. Wo 80 erlaubt waren, zeigte die Tachonadel 140. Abstand Halten zum Vordermann ist nur was für Schwächlinge. Gnadenlos schubste er jeden aus der Spur, der sich ihm in den Weg stellte. Bettina, die ihren Unmut über Marios Fahrweise schon gern mal zum Ausdruck bringt, saß schweigend zusammengekauert auf der Rückbank. Fliegen gehört nicht zu ihrer Leidenschaft, aber in diesem Moment schien der bevorstehende Flug ihr geringstes Problem.

Unsere letzten Minuten in Kuala Lumpur sollten auch die gefährlichsten sein.

 

Nach erlebnisreichen 45 Minuten erreichten wir rechtzeitig genug das LCC-Terminal, wo wir uns durch eine überfüllte Haupthalle zu wühlen hatten, bevor wir den zwischenzeitlich ziemlich verwaisten CheckIn-Schalter erreichten.

 

Mit einem brandneuen und mit Ledersitzen bestückten Airbus 320 erreichten wir nach einer kurzen Flugzeit von 35 Minuten Johor Bahru.

 

Nach Verlassen der sehr übersichtlichen, weil sehr kleinen Haupthalle entdeckten wir gerade einen einzigen Bus, der zwar nicht nach Singapur, dafür aber zu Johor Bahrus Busbahnhof fuhr, wo wir direkten Anschluss nach Singapur haben sollten.

 

Der Anschlussbus wiederum brachte uns nur in Etappen nach Singapur. Die erste Etappe endete an der malaysischen Grenzkontrolle, wo wir den Bus samt Gepäck zu verlassen hatten, um als Fußgänger die Passkontrolle zu passieren. Hinter der Kontrollstation erwartete uns ein anderer Bus, bei dem wir erneut einen Fahrpreis zu entrichten hatten und der uns lediglich zur singapurschen Kontrollstation fuhr.

 

Abermals den Bus samt Gepäck verlassend passierten wir ein neu errichtetes Terminal, wo wir uns in eine der zahlreichen Schlangen einreihten und gepflegt 45 Minuten auf die Kontrolle unserer Reisepässe warteten. Endlich in Singapur wuchteten wir abermals unser Gepäck in einen Bus und entrichteten unseren Fahrpreis. Zugegeben, Urlaub sieht anders aus. Die Fahrt dieses Busses endete an einer Metrostation am Rande des Stadtstaates, wo uns endgültig der Geduldsfaden riss und wir, vom vielen Umsteigen genervt, in ein Taxi umstiegen.

  

 

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